Viel hatte sich die erste Mannschaft der Schachgemeinschaft Schwäbisch Gmünd für den Auftakt der diesjährigen Oberligasaison vorgenommen; so wollte man einerseits einen Fehlstart wie in der vergangenen Saison vermeiden, als die beiden ersten Begegnungen verloren gingen, und hatte andererseits mit der Zweitvertretung der Stuttgarter Schachfreunde noch eine Rechnung offen; beim letzten Aufeinandertreffen am 6. Spieltag der abgelaufenen Saison wähnte man sich längst auf der Siegerstraße, bevor der Mannschaftskampf doch noch mit 3,5:4,5 verloren ging. Umgesetzt wurde von den guten Vorsätzen indes praktisch nichts. Obwohl auf dem Papier leicht favorisiert gelang den Gmündern kein einziger Sieg; 5 Remisen und 3 Niederlagen bedeuteten in der Endabrechnung eine klare 2,5:5,5 Niederlage.
Relativ ereignislos waren zunächst die ersten Partien zu Ende gegangen. Josef Jurek hatte seinem Gegner Robert Gabriel an Brett 2 zwar einen schwachen Bauern zufügen können, doch dessen Figuren waren aktiv genug, um die Partie im Gleichgewicht zu halten. Pavel Flajsman war an Brett 3 gegen Pavel Aksenov unmittelbar nach der Eröffnung mit den schwarzen Steinen in eine zwar ausgeglichene aber etwas passive Karlsbadstruktur geraten und hatte ebenfalls ein frühes Remis vereinbart. Nils Müller hatte an Brett 8 gegen seinen Gegner Anant Kalia zwar einen Bauern erobern können; dieser hatte dafür aber so viel Gegenspiel erhalten, dass Nils eine Qualität opfern musste. Nach dem Abtausch der verbliebenen Bauern erreichte er das Remis allerdings letztlich relativ souverän.
Doch ab diesem Zeitpunkt ging aus Sicht der Gmünder leider praktisch alles schief. Andreas Weiss hatte mit den schwarzen Steinen an Brett 7 gegen den Königsindischen Angriff seines Gegners, der Stuttgarter Schachlegende Josef Gabriel, früh starkes Gegenspiel am Damenflügel entfaltet und schien mit seinem Angriff deutlich schneller zu sein. Als er sich jedoch auf ungünstige Figurenabtäusche einließ, wurde seine Stellung immer passiver. Als der Gegner schließlich zum Königsangriff ansetzte, verlor Andreas entscheidend Material und musste die Partie aufgeben. Und Großmeister Petr Velicka hatte am Spitzenbrett dem englischen Aufbau seines Gegners Martin Hofmann eine Igelstruktur entgegengesetzt. Kurzzeitig schien es, als könnte Petr, der die gegnerische Struktur geschwächt hatte, nun den schwachen gegnerischen Bauern auf c4 belagern und auf Vorteil spielen, doch der a-Freibauer des Gegners und dessen Leichtfiguren waren so stark, dass Petr das Remisgebot nicht mit gutem Gewissen ablehnen konnte.
Angesichts des 2:3 Rückstandes sah sich Philipp Bergner nun gezwungen, an Brett 5 gegen Daniel Goldinov ins Risiko zu gehen. Er hatte früh einen Bauern opfern müssen, dafür aber aktive Leichtfiguren und insbesondere das Läuferpaar erhalten. Als sich ihm die Möglichkeit bot, eine ausgeglichene aber vereinfachte Stellung durch Halbierung des Läuferpaars herbeizuführen, entschied er sich stattdessen dafür, die Stellung kompliziert zu halten. Dies hatte jedoch lediglich eine vernichtende gegnerische Figurenaktivität zur Folge, die entscheidend Material und die Partie kostete. Als kurze Zeit später auch noch Brett 4 verloren ging, war der Mannschaftskampf endgültig gelaufen: Neuzugang Maximilian Naß schien gegen Lothar Schwarzburger lange Zeit eine dominante Stellung mit Raumvorteil und aktiveren Figuren zu haben. Doch der Gegner verteidigte umsichtig, ein entscheidender Schlag war nicht aufzufinden und schließlich fiel Maximilians weit vorgerückter a-Bauer. Ein weiterer taktischer Fehler hatte kurze Zeit später den Qualitäts- und Partieverlust zur Folge. Thomas Lang versuchte an Brett 6 gegen Nicholas Reus noch, Ergebniskosmetik zu betreiben, opferte kreativ eine Qualität, hatte sicher auch gewisse Siegchancen, kam aber auch nicht über Remis hinaus.
Es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, dass dieses Ergebnis für die Gmünder, die in dieser Saison nominell zu den Aufstiegsfavoriten gehören sollten, eine große Enttäuschung darstellt, die man sich kaum schönreden kann. Auch wenn die drei Niederlagen letztlich alle unnötig und vermeidbar waren, ist dieses Ergebnis zu klar, um durch fehlendes Stellungsglück erklärt zu werden; vielmehr muss man sich eingestehen, dass man am heutigen Tage schlicht nicht gut genug war, um die zweite Mannschaft der Stuttgarter Schachfreunde zu besiegen. Am nächsten Spieltag wird es beim Auswärtsspiel gegen den Drittligaabsteiger SC Böblingen mit Sicherheit nicht einfacher. Will man dort Zählbares mitnehmen und nicht schon wieder mit 2 Niederlagen in die Saison starten, bedarf es einer deutlichen Leistungssteigerung.