Es gibt Wettkämpfe, bei denen man nach zwei Stunden schon spürt, in welche Richtung das läuft. Dieser war so einer. Am Ende stand ein 6,5:1,5 gegen den SK Heidenheim 1 auf dem Spielbericht – an sechs von acht Brettern gingen die vollen Punkte an die Gäste.
An Brett 5 wollte Marco Prillwitz die Sache schon in der Eröffnung entscheiden. Er gab einen Bauern her, bekam dafür das Läuferpaar und hatte über weite Strecken die angenehmere Stellung – Schwarz musste rechnen, Weiß durfte drücken. Nur: Jan Antusch verteidigte hartnäckig, und irgendwann war klar, dass sich aus dem Druck nichts Handfestes mehr machen ließ. Handschlag, Remis.
Die sehenswerteste Partie des Tages spielte Matthias Reichert an Brett 6. Mit Schwarz gegen Fedir Kolienov stand er praktisch von Anfang an positionell besser, baute diesen Vorteil Zug um Zug aus und verwandelte ihn schließlich in einen Angriff, der nicht mehr zu halten war. Genau so soll es aussehen, wenn man aus einer ruhigen Stellung einen ganzen Punkt macht.
Neuzugang Christian Stanescu bekam an Brett 2 eine unorthodoxe Eröffnung vorgesetzt – ließ sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Benjamin Donath wollte ihn offenbar früh aus dem Konzept bringen, doch Stanescu blieb sachlich, fand die taktischen Möglichkeiten und entschied die Partie am Ende genau darüber. Ein gelungener Einstand.
Am Spitzenbrett behielt der neue Mannschaftsführer Walter Pohl gegen Ulrich Rissmann die Oberhand. In einer interessanten Partie opferte er zwei Figuren gegen einen Turm und zwei Bauern. „Ich musste immer auf der Hut sein und langsam und behutsam spielen, doch am Ende setzte sich die Erfahrung durch.“
Gerhard Friedrich hatte es an Brett 4 zunächst am schwersten. Gegen Levin Kupfer musste er früh eine schlechte Stellung hinnehmen, kämpfte sich aber im Mittelspiel Schritt für Schritt zurück – und als das Endspiel auf dem Brett stand, hatte plötzlich er die besseren Karten. Die spielte er dann konsequent aus.
Auch Paul Osterried an Brett 7 hatte einen unruhigen Nachmittag. Mit der Englischen Eröffnung begonnen, sah er sich nach einem Figurenopfer seines Gegners Nikita Kiselov plötzlich in der Rolle des Verteidigers. Er hielt zäh dagegen, überstand die kritische Phase und konvertierte die Stellung am Ende zu seinem Vorteil. Nebenbei das ausgeglichenste Duell des Tages – gerade einmal vier DWZ-Punkte trennten die beiden.
Roland Macho bewies an Brett 8 gegen Lennard Böhm einmal mehr seine feine Endspieltechnik.
Ohne Ärgernis ging es trotzdem nicht ab: Jürgen Denk musste sich an Brett 3 Jonas Heizmann geschlagen geben. Der einzige Punkt für die Gastgeber an diesem Tag – und die einzige Partie, die man sich im Nachhinein gern noch einmal anschaut.
Fazit: Nach anfänglichem Abtasten setzte sich doch die Erfahrung und Spielstärke durch.
Es war ein erfolgreicher Start in die Saison.
Bericht von Walter Pohl und Marco Prillwitz