Vier zu eins. Mehr Vorsprung braucht man eigentlich nicht, um einen Mannschaftskampf nach Hause zu bringen. Die zweite Mannschaft der Schachgemeinschaft Schwäbisch Gmünd brachte diesen Vorsprung trotzdem nicht ins Ziel: Gegen den SV Aalen-Ellwangen blieb am Ende ein Unentschieden, das sich eher wie eine Niederlage anfühlte.
Schon vor dem ersten Zug knirschte es. Christian Stanescu fiel krank aus, kurzfristig, wie es meistens kommt. Für ihn rückte Kabishan Logendran ins Team und gab sein Landesliga-Debüt. Nervosität? Davon war nichts zu sehen. Tim Neumüller fand gegen Kabishans Eröffnungsbehandlung kein Rezept und lag früh hoffnungslos zurück. Erster Punkt, erstes Ausrufezeichen, und das ausgerechnet vom Ersatzmann.
Danach wurde es zäh. Gerhard Friedrich einigte sich auf Remis. Marco Prillwitz ebenfalls, wobei sein halber Punkt eher erkämpft als vereinbart war: Lange stand er schlechter, verteidigte sich aber hartnäckig, bis der Gegner keinen Weg mehr zum Sieg fand. Unspektakulär auf dem Papier, wertvoll im Gesamtgefüge.
Dann zog das Tempo an. Matthias Reichert bezwang Marc Gabler. Und am Spitzenbrett lieferte Walter Pohl, was man von einem routinierten Spieler erwartet: Im Endspiel gegen Rainer Stark stand er dank Läuferpaar und Raumvorteil durchgehend leicht besser, ehe er die Partie zu seinen Gunsten entschied.
4:1. Drei Partien liefen noch. Ein einziger halber Punkt fehlte zum Sieg. Rechnerisch eine Formsache. Schach hält sich bekanntlich selten an Rechnungen. Thanusan Sathanandarajah unterlag Andreas Dorn. Bernhard Sturm hatte sich in der Eröffnung eine Ungenauigkeit geleistet, die Emil Neumüller geduldig ausnutzte, bis Sturm die Hand reichen musste. 4:3. Jetzt hing alles an einem Brett.
Ausgerechnet dort hatte es lange am besten ausgesehen. Jürgen Denk dominierte seine Partie über weite Strecken klar, verpasste aber den Moment, den Vorteil zu verwerten. Mit einem Materialungleichgewicht auf dem Brett wurde die Stellung immer unübersichtlicher, im Endspiel trafen nicht mehr alle Entscheidungen ins Schwarze, und Tobias Kretschi, an diesem Tag stark unterwegs, nahm die Einladung dankend an. Endstand 4:4.
Von der komfortablen Führung war binnen kurzer Zeit nichts übrig geblieben. Ärgerlich? Sehr. Aber nicht nur. Kabishans gelungene Premiere, Pohls Souveränität am ersten Brett, die zähen Remis im Mittelfeld: Das Potenzial der Mannschaft war klar zu erkennen. Ebenso deutlich allerdings die Lektion des Nachmittags. Gewonnene Stellungen gewinnen sich nicht von selbst, und Präzision unter Druck ist am Ende oft das, was einen halben von einem ganzen Mannschaftspunkt trennt.
Lange nachgrübeln kann das Team ohnehin nicht. Schorndorf und Sontheim warten schon, und dann soll sich zeigen, ob die zweite Mannschaft aus diesem Wechselbad die richtigen Schlüsse gezogen hat.
Bericht von Marco Prillwitz