Der Titel mag eher der Fußballersprache entlehnt sein, wird der Bedeutung des Heimsieges gegen Sontheim/Brenz aber durchaus gerecht. Nach dem desaströsen Auftritt in Stuttgart vor 3 Wochen zeigte sich Gmünd stark verbessert und verschaffte sich eine gute Ausgangsposition, um am letzten Spieltag den Klassenerhalt klarzumachen.
Routiniert neutralisierte zunächst Walter Pohl den Anzugsvorteil seines Gegners Jürgen Ullmann an Brett 7. Walter lehnte den angebotenen Gambitbauern ab und kam zu einem schnellen Schwarzremis. Einen weiteren halben Punkt steuerte kurz darauf Josef Jurek an Brett 2 durch eine Punkteteilung gegen Thomas Brückner bei. Das ging so schnell, dass der Berichterstatter mit Informationen zum Partieverlauf leider nicht aufwarten kann. Kurz darauf ging die Schachgemeinschaft dann mit 2:1 in Führung, denn Philipp Bergner hatte seinen Gegner Kevin Walter an Brett 4 aus der Eröffnung heraus stark unter Druck setzen können. Als er gerade dabei war, in ein Endspiel mit Mehrbauern abzuwickeln, unterlief seinem Gegner ein grober taktischer Fehler und Philipp konnte einfach einen Turm und die Partie gewinnen.
Mit dieser Führung im Rücken nahm nun auch Petr Velicka am Spitzenbrett gegen Neil Albrecht gerne dessen Remisgebot an. Petr hatte in einer französischen Struktur geduldig seinen Raumnachteil durch Tauschoperationen kompensiert und ein vollkommen ausgeglichenes Endspiel erreicht. Kurze Zeit später konnte die Führung noch ausgebaut werden, denn der schwarze König an Brett 6 zappelte im Mattnetz. Andreas Weiß hatte am Königsflügel aus der Eröffnung heraus exzellente Angriffschancen gegen Edwin Riefner erreicht. Doch als eine typische Opferwendung einen siegbringenden Mattangriff gebracht hätte, zögerte er und als er sie einen Zug später doch abfeuerte, hätte sie bei korrekter Verteidigung keinen Sieg sondern einfach nur Materialnachteil eingebracht. Doch es zeigte sich, dass Verteidigen praktisch eben doch viel schwieriger ist, als anzugreifen. Riefner stellte den König prompt auf das falsche Feld und kurze Zeit später stand es 3,5:1,5.
Sontheim sollte allerdings noch einmal herankommen. Thomas Lang hatte an Brett 5 gegen Sören Pürckhauer zwar dank Läuferpaar und besserer Bauernstruktur einen deutlichen strategischen Vorteil herausarbeiten können; das hatte aber so viel Zeit gekostet, dass er in den taktischen Komplikationen die Übersicht verlor und entscheidend Material einstellte.
Nun durften Marco Prillwitz und Pavel Flajsman in den beiden letzten Partien nichts mehr anbrennen lassen und lösten diese Drucksituation souverän. Marcos Remispartie gegen Andreas Klein an Brett 8 war zwar von einer ganzen Reihe ausgelassener Gewinnchancen geprägt (zunächst wäre der Übergang in ein Bauernendspiel mit Mehrbauer möglich gewesen und im 40. Zug hätte er eine Figur gewinnen können); allerdings bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Niederlage und das galt auch für die letzte Partie des Tages. Pavel Flajsman hatte gegen Stefan Egle an Brett 3 geduldig mit den schwarzen Steinen in einer Karlsbader Struktur zunächst ausgeglichen und dann schlichtweg die besseren Züge gefunden. Schließlich wurden die weißen Bauern schwach und Pavel erreichte ein Turmendspiel mit Mehrbauern. Als er den gegnerischen Turm auch noch in eine passive Stellung vor dem eigenen Freibauern gezwungen hatte, wäre ein weiterer Bauerngewinn die Folge gewesen und Egle gab auf.
Gmünd schiebt sich durch diesen 5:3 Erfolg auf Rang 5 vor. Am nächsten Spieltag hat die Spielgemeinschaft spielfrei und wird aufmerksam verfolgen, was die Konkurrenz macht. Erst dann wird man abschätzen können, wie gut die Gmünder Chancen auf den Klassenerhalt vor der abschließenden Begegnung gegen den SV Ebersbach stehen. Deutlich besser als nach dem letzten Spieltag stehen sie aber in jedem Fall.