Fassungslosigkeit herrschte bei den Gmündern nach der 3,5:4,5-Niederlage im Auswärtsspiel bei der Zweitvertretung der Stuttgarter Schachfreunde. Was bereits beim 4:4 gegen Grunbach im Ansatz zu beobachten gewesen war, zeigte sich heute erneut, jedoch dieses Mal ins Groteske gesteigert: nachdem die unklaren Stellungen remisiert worden waren, wurden in gleich mehreren (teilweise deutlich) vorteilhaften Stellungen die Punkte nicht eingefahren.
Gewohnt routiniert löste Josef Jurek seine Aufgabe an Brett 2 gegen Martin Hofmann. Mit den schwarzen Steinen erreichte Josef bequemen Ausgleich in einer igelartigen Stellung und steuerte den ersten halben Punkt bei. Etwas wilder ging es bei Walter Pohl an Brett 7 zu. Gegen Klaus Zeiler hatte Walter nach einigen aggressiven Zügen am Königsflügel zu viele Schwächen, um auf Vorteil spielen zu können und vereinbarte ebenfalls ein Remis. Einen weiteren halben Punkt steuerte bald darauf Petr Velicka am Spitzenbrett gegen Lukas Forster bei. Seine Stellung mit reduziertem Material (Damen und je 3 Leichtfiguren) und symmetrischer Bauernstruktur war objektiv ausgeglichen; allerdings schien nun auch schon die Zeit gekommen, um über taktische Remisvereinbarungen nachzudenken. Schließlich hatte Marco Prillwitz an Brett 8 gegen Florian Siegle kompensationslos eine Mehrqualität und einen Mehrbauern einheimsen können. Andreas Weiß hatte mit 2 Leichtfiguren gegen den Turm seines Gegners Josef Gabriel an Brett 6 klaren Vorteil und auch Pavel Flajsman hatte dank aktiverer Figuren und der unsicheren Stellung des Königs seines Gegners Pavel Aksenov im Zentrum an Brett 3 gute Chancen auf den ganzen Punkt. Thomas Lang hatte die Bauernstruktur seines Gegners Daniel Goldinov an Brett 5 früh schwächen können und schien ebenfalls eine etwas bessere Stellung ohne größere Verlustrisiken zu besitzen.
Angesichts dessen entschied sich nun auch Philipp Bergner an Brett 4, keine unnötigen Risiken einzugehen. Gegen Robert Gabriel hatte Philipp einen Mehrbauern ergattern können, für den Gabriel ein wenig Aktivität erhalten hatte. Da die Zeit indes knapp zu werden begann, entschied sich Philipp dafür, in ein remisliches Endspiel abzuwickeln. Doch nun begann das Match eine äußerst unglückliche Wendung zu nehmen. Zunächst schaffte es Pavels Gegner, durch ein Qualitätsopfer zum Ausgleich ausreichende Aktivität zu entfalten, sodass Pavel nicht über Remis hinauskam. Marco verwertete seine Gewinnstellung zwar souverän, doch nun brachte sich Andreas Weiß in Schwierigkeiten, als er die Figuren bis auf Läufer und Springer, die nun gegen den gegnerischen Turm kämpfen mussten, heruntertauschte. Doch Andreas' Figuren harmonierten in der entstehenden Stellung nicht gut und Gabriels Turm war stark genug, um einen Freibauern zu schaffen, der denn auch zu einer Dame wurde. Andreas versuchte noch, mit Läufer und einem Haufen Mehrbauern gegen die Dame eine festungsartige Konstruktion auf die Beine zu stellen, doch dies erwies sich als unmöglich.
Und Thomas Lang war - genau wie sein Gegner - in horrende Zeitnot geraten. Zwischenzeitlich hätte er entscheidenden Vorteil erringen können, doch kurz vor der ersten Zeitkontrolle war es nun Thomas, der nach einem Figurenverlust auf einmal auf Verlust stand. Als nach dem 40. Zug die beiderseitige Zeitgutschrift erfolgt war, war die Stellung und damit auch der Mannschaftskampf nicht mehr zu retten.
Durch diese Niederlage beim bisherigen Tabellenschlusslicht steckt Gmünd nun akut im Abstiegskampf. In den beiden abschließenden Spielen gegen Ebersbach und Sontheim - den 1. und den 3. der aktuellen Tabelle - muss nun unbedingt gepunktet werden, um nicht von Wernau und/oder Stuttgart 2 noch überholt zu werden. Dazu bedarf es allerdings einer klaren Leistungssteigerung.